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Spitzenverband ZNS

Der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN), der Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN), der Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) sowie der Berufsverband für Kinder- und Jugendlichen-Psychiatrie und -Psychotherapie (BKJPP) haben sich im September 2013 zum Spitzenverband ZNS (SPiZ) zusammengeschlossen.  
Die Verbände sehen einen zukünftigen Versorgungsschwerpunkt in der Versorgung von Patienten mit Erkrankungen des ZNS. Neuropsychiatrische Versorgungsmöglichkeiten sowie zukünftige Versorgungsbedarfe in den Bereichen Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie (inklusive Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie) sowie Psychosomatik rücken zunehmend auch in den öffentlichen Medien in den Fokus des gesundheitspolitischen Interesses. Dies ist auch dem sich abzeichnenden demographischem Wandel unserer Gesellschaft geschuldet, aber auch strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt sowie auch einer höheren Sensibilität und Wahrnehmung z. B. psychischer Beeinträchtigungen.

Eindrucksvolle Zahlen zum demographischen Wandel wurden unter anderem im September 2011 durch das Fritz-Beske-Institut für Gesundheits-System-Forschung in Kiel veröffentlicht.
Belege für eine höhere Belastung durch psychische Erkrankungen sind unter anderem steigernde Arbeitsunfähigkeitszahlen sowie die seit Jahren zu beobachtende deutliche Zunahme der Frühberentungen aufgrund psychischer Erkrankungen.

Anforderungen
an eine zukunftsorientierte nachhaltige Versorgung von Patienten mit neurologischen und psychischen Erkrankungen:

  • Die herausragende epidemiologische Bedeutung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen erfordert eine konzertierte Aktion der an der Patientenversorgung beteiligten Organisationen und den Trägern politischer Entscheidungsprozesse.
  • Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit der neurologischen und psychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und Alterspatienten erfordern eine Neustrukturierung in einem eigenständigen Versorgungsbereich mit besserer Vernetzung und Verzahnung der bestehenden stationären und teilstationären rehabilitativen und ambulanten Angeboten.
  • Nur eine Neustrukturierung und Harmonisierung ambulanter Behandlungsangebote sowohl im Krankenhaus wie auch in den vertragsärztlichen Praxen in Verbindung mit regionalem Behandlungspfaden kann einen effizienten Einsatz finanzieller und personeller Ressourcen möglich machen.
  • Präventiven Maßnahmen, insbesondere auch im beruflichen Umfeld, ist eine hohe Priorität einzuräumen.

Epidemiologie
Jüngst publizierte Studien (Wittchen et al) zeigen, dass die Belastungen durch psychische und neurologische Erkrankungen massiv unterschätzt wurden. Im Berichtsjahr waren demnach 38 Prozent aller Einwohner der EU (plus Schweiz, Norwegen, Island) an einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung erkrankt:

  • Die häufigste neuropsychiatrische Störung sind dabei Kopfschmerzen, die zweithäufigsten Angstkrankheiten, Schlafstörungen und unipolare Depression;
  • die belastendsten unter den psychischen und neurologischen Erkrankungen (im Sinne des kumulativen Verlustes an qualitätsadjustierten Lebensjahren) sind unipolare Depressionen gefolgt von, Alkoholkrankheiten, Demenzen und Schlaganfall;
  • die teuersten dieser Erkrankungen (Gesamtkosten, direkte plus indirekte Kosten) sind affektive Störungen (inkl. unipolare Depression), gefolgt von Demenzen und Psychosen.

Die Zusammenschau der in dieser Studie ausgewerteten Daten zeigt zudem, dass psychische und neurologische Störungen zusammen für 26 Prozent der gesellschaftlichen Gesamtbelastung durch Krankheiten in der EU verantwortlich sind. Damit sind Erkrankungen des Gehirns vor Krebs- und Herzerkrankungen die häufigsten und am meisten belastenden Erkrankungen.
Im Detail ergab der Survey weiterhin, dass

  • höchstens ein Drittel aller Betroffenen in der EU irgendeine Therapie erhalten,
  • die Behandlung meist erst Jahre nach Krankheitsbeginn startet und oft nicht den minimalen Anforderungen an eine adäquate Therapie entspricht,
  • nur rund zehn Prozent der Therapien „minimal adäquat“ sind,
  • die Versorgung sich seit 2005 nicht wesentlich verbessert hat.

Im letzten Jahrzehnt hat sich sowohl durch beachtliche Erfolge in der Aufklärungs- und Antistigmatisierungsarbeit, als auch in der Erforschung, der Diagnostik und der Therapie psychischer Erkrankungen, sehr viel getan. Die Gesellschaft geht spürbar offener mit psychischen Erkrankungen um; mehr und mehr Menschen mit psychischen Problemen entscheiden sich für bzw. bekennen sich offen zur Inanspruchnahme einer stationären oder ambulanten Behandlung durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, einen Nervenarzt oder einen Hausarzt.

In der Versorgung von Kindern und Jugendlichen weisen die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) auf die hohe gesellschaftliche Bedeutung eines qualitativ guten und für die Bevölkerung erreichbaren Versorgungsangebots hin. So wiesen 11,5% der Mädchen und 17,8% der Jungen im Alter von 3-17 Jahren relevante Verhaltensauffälligkeiten, ca. 9% der Altersgruppe emotionale Störungen  und mehr als 5% Hyperaktivitätsprobleme auf, fast 22% der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren zeigten Symptome von Essstörungen. Auch wenn von den genannten Kindern und Jugendlichen nicht alle behandlungsbedürftig sein dürften, so illustrieren die Zahlen eindrucksvoll die Bedeutung psychischer Problemstellungen und die Notwendigkeit einer koordinierten und fachgerechten Abklärung.

Entwicklung der regionalen ambulanten neurologischen und psychiatrischen Versorgung
Neurologische und psychiatrische Versorgung hat sich in den letzten Jahrzehnten inhaltlich und strukturell entwickelt. Motor dieser Entwicklung ist v. a. der medizinische Fortschritt und  der damit verbundene Zuwachs an Behandlungsmöglichkeiten, aber auch die demographische Entwicklung mit zunehmenden Bedarfen. In der Neurologie hat der medizinische Fortschritt einen Wandel von einem diagnostischen zu einem therapeutischen Fach ermöglicht. Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson, Demenz oder MS, die noch vor wenigen Jahrzehnten kaum therapierbar waren, können mittlerweile gut behandelt werden. Beispiel: Die Entwicklung moderner Immuntherapien bei Multipler Sklerose.

In der psychiatrischen Versorgung hat die Psychiatrie-Enquête zu erheblichen strukturellen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten geführt. Psychiatrische Großkrankenhäuser wurden umstrukturiert, es erfolgte ein dramatischer Bettenabbau, parallel dazu wurden gemeindenahe Versorgungsstrukturen aufgebaut. Seit dieser Zeit konnte sich zunehmend ein ambulantes psychiatrisches Behandlungsangebot entwickeln, zunächst durch niedergelassene Nervenärzte, später erfolgte die Differenzierung in die Fachgebiete Neurologie bzw. Psychiatrie und Psychotherapie sowie die Einführung des Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, ferner das Gebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Ergänzt wurden die Behandlungsmöglichkeiten durch die Integration psychologischer Psychotherapeuten und die Aufnahme richtlinienpsychotherapeutischer Leistungen in das kollektivvertragliche System. Der Gesetzgeber verfügte darüber hinaus die institutionelle Öffnung der psychiatrischen Krankenhäuser und psychiatrischen Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern und damit die Möglichkeit ambulante Behandlungsangebote in psychiatrischen Institutsambulanzen vorzuhalten.
Die weitaus größte Anzahl psychisch Kranker (> 80%) wird ambulant versorgt. Ein kleinerer Anteil von Patienten mit schweren und chronischen Krankheitsverläufen wird über längere Zeiträume und z. T.  häufig wiederkehrend („Drehtüreffekt“) stationär versorgt. Besonders für dieses Patientenkollektiv ist die Überwindung von sektoralen Versorgungsbarrieren von besonderer Wichtigkeit. In den gegenwärtigen ambulanten und stationären Vergütungssystemen bestehen aufgrund einer unzureichenden sektorenübergreifenden Koordination zahlreiche Fehlanreize an der Schnittstelle der verschiedenen Versorgungssektoren.

Die Vielzahl der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungsoptionen wird mittlerweile häufig als unübersichtlich erlebt, andererseits ermöglicht die durch den Gesetzgeber dem Patienten garantierte freie Arzt- und Therapeutenwahl eine sehr individuelle, institutionell unabhängige Gestaltung des Arzt-/Patientenverhältnisses.

Versorgungsziele

  • Verbesserung der Versorgung durch Reduzierung von Wartezeiten, bessere Akutversorgung und Angebot von Komplexleistungen. (Durch die „Sozialpsychiatrievereinbarung“ derzeit nur in der Kinder- und Jugendpsychiatrie möglich)
  • Die Versorgung von PatientInnen mit neurologischen und psychischen Erkrankungen erfordert flächendeckend eine gute Abstimmung und Kooperation der Versorger.
  • Dies erfordert eine bessere Zusammenarbeit durch strukturierte Vernetzung der Sektoren.  Stationäre, teilstationäre und rehabilitative sowie ambulante Therapieangebote müssen unabhängig vom Ort der Leistungserbringung in einer Behandlungskette abgebildet werden.
  • Schnelle Zugangswege und kurze Reaktionszeiten bei Krisen können am besten in regionalen Behandlungspfaden und einer transparenten Netzstruktur gewährleistet werden. Dabei kann die Implementierung z. B. einer elektronische Fall-Akte oder der Einsatz telemedizinischer Optionen  Kommunikationswege verkürzen und den Informationszugang erleichtern.
  • Da die tradierten Finanzierungsmodelle einer patientenorientierten Vernetzung der Sektoren eher entgegenstehen, sollen strukturelle Rahmenvorgaben die flächendeckende Implementierung regionaler Behandlungspfade sowie einer damit einhergehenden Reform des Finanzierungsmodells verpflichtend machen. Dazu gehört z. B. Abbau finanzieller Fehlanreize durch Pauschalierung, stattdessen Förderung qualifizierter Gesprächsleistungen.

Quellen
Fritz-Beske-Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel: „Solidarische transparente und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung im demographischen Wandel durch Priorisierung und Rationierung“. September 2011.
Wittchen et al 2011: „The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010”.
European Brain Council (EBC), European College of Neuropsychopharmacology (ECNP), zur Relevanz von psychischen und neurologischen Störungen in Europa (Wittchen et al. 2011, Gustavsson et al. 2011)
Hölling et al. (2007):
Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2007. 50:784-793
Hölling H, Schlack R (2007): Essstörungen im Kindes- und Jugendalter. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2007. 50:794-799

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